Arbeitskreis "Ausbildung" der dvs-Sektion "Sportinformatik"
2. Sitzung

Donnerstag, 12. April 1997, 15 - 18 Uhr in Darmstadt

Diskussionsergebnisse

Anwesende Mitglieder: Klaus Bonadt, Volker Gross, Prof. Dr. Jürgen Perl, Prof. Dr. Stephan Starischka, Dietbert Schöberl, Prof. Dr. Josef Wiemeyer, Udo Ziert (entschuldigt: Rolf M. Kilzer, Ulrike Rockmann)

1 Organisatorisches
Einige organisatorische Aspekte wurden besprochen:

1.2 Ort für die zukünftigen Zusammenkünfte
Da die Trainerakademie Köln als alternativer Ort zur Verfügung steht, werden die Treffen des Arbeitskreises im Wechsel in Köln und Darmstadt stattfinden.

1.3 Schwerpunktheft der dvs-Informationen zum Thema "Informationstechnische Ausbildung"
Herr Perl teilt mit, daß Heft 4/1997 der dvs-Informationen das Schwerpunktthema Informationstechnische Ausbildung behandeln wird (Redaktionsschluß: 10.11.1997; Betreuung: Perl, Wiemeyer). Es stehen ca. 20 Seiten (incl. "Klammerbeitrag") zur Verfügung.

Als mögliche Arbeitsbeiträge wurden in Erwägung gezogen:

Darstellung des Studiengangs "Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Informatik" der TH Darmstadt (Wiemeyer)
Kommentar aus der Sicht der Lehramtsstudiengänge (Starischka)
Ergebnisse der bundesweiten Befragung an sportwissenschaftlichen Instituten bzgl. des Einsatzes von EDV (Wiemeyer)
Historische Entwicklung (Perl)
Informationstechnische Ausbildung aus der Sicht der Trainer-Ausbildung (Kozel, Kilzer, Ziert)
Es wird angeregt, für das nächste Treffen weitere Vorschläge zu überlegen.

1.4 dvs-Hochschultag in Bayreuth
Herr Perl berichtet über die Vorbereitungen zum dvs-Hochschultag in Bayreuth. Die dvs-Sektion Sportinformatik wird hier durch einen zweistündigen Arbeitskreis vertreten sein. Vier Referate sind geplant, wobei der Diskussion ein breiter Raum eingeräumt werden soll. Im Berichtsband stehen insgesamt vier Seiten zur Verfügung, die auf die vier Referate verteilt werden sollen. Weitere Informationen werden - nach Absprache mit Organisatoren und Referenten - folgen.

2 Zur Charakterisierung der drei Stufen informatischer Kompetenz
Nach kurzer Rekapitulation der drei Stufen informatischer Kompetenz (s. Protokoll des 1. Treffens) wird die hier vorgenommene Kennzeichnung als vorläufige Grundlage akzeptiert, wobei sich ihre Tragfähigkeit im Verlaufe der Diskussionen erweisen muß.

3 Zielgruppen- bzw. tätigkeitsspezifische Differenzierung
3.1 Diplomstudiengang Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Informatik
Das Konzept des Studiengangs "Diplom-Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Informatik" wird v.a. deshalb vorgestellt, weil es für viele Tätigkeiten im Sport eine Orientierungsgrundlage für Überlegungen bilden kann, welche informatischen Kompetenzen von Bedeutung sind. Insbesondere der Anspruch einer praxisnahen Ausbildung ist ein wichtiger Kern der Ausbildungskonzeption.

3.1.1 Ziele des Studiums
Wissenschaftliche, fächerübergreifende, integrierte Ausbildung in der Sportwissenschaft sowie der Informatik in engem Zusammenhang mit berufspraktischen Erfahrungen
Wahrnehmung von Schnittstellenfunktionen in den verschiedenen sportlichen bzw. sportwissenschaftlichen Tätigkeitsfeldern
Selbständige Lösung von Problemen der Sportwissenschaft unter Einsatz der EDV
3.1.2 Tätigkeitsfelder
Die Diplomstudierenden sollen für die folgenden Tätigkeitsfelder ausgebildet werden:

Potentielle Tätigkeitsfelder werden "überall dort [gesehen], wo der Einsatz von EDV zu planen ist, Software geprüft und installiert werden muß, bestehende Programme angepaßt oder Programme neu entwickelt werden müssen, oder wo kompetente Mittler zwischen Softwarehäusern und Organisationen aus dem Bereich des Sports gebraucht werden" (Studienordnung 1991, S. 14)
Analyse von Problemstellungen
Planung, Entwurf und Implementierung von entsprechenden Programmsystemen in sportwissenschaftlichen bzw. sonstigen sportbezogenen Einrichtungen und Organisationen
3.1.3 Studienplan
Das Studium im Umfang von 162 Semesterwochenstunden (SWS) umfaßt ein Grundstudium (96 SWS) und ein Hauptstudium (66 SWS). Dabei werden im Grundstudium neben den Grundlagen der Informatik und der Mathematik primär sportpraktische und sportwissenschaftliche Qualifikationen vermittelt. Im Hauptstudium sollen die Kenntnisse auf den Gebieten der Sportwissenschaft und insbesondere der Informatik vertieft werden, fächerübergreifende Sichtweisen vermittelt werden und der praxisnahe Einsatz der Informatik im Bereich der Sportwissenschaft eingeübt werden. Informatische Studieninhalte machen dabei mit 62 von 162 SWS 38.3% des Gesamt-Studiums aus, wobei weitere 12 SWS Mathematik in dieser Quote nicht berücksichtigt sind. Diese Inhalte verteilen sich zu 8 von 96 SWS (8.3%) auf das Grundstudium und zu 54 von 66 SWS (81.8%) auf das Hauptstudium. Ein differenzierter Plan ist dem Anhang zu entnehmen.

3.1.4 Diplom-Prüfung
Die Diplom-Prüfung besteht aus verschiedenen Prüfungsteilen, deren Anteil wie folgt spezifiziert wird:

Die Diplom-Arbeit macht 25% der Diplom-Note aus.
Weitere 25% werden durch den Bereich Informatik abgedeckt (Note "Grundzüge der Informatik III", mündliche Fachprüfung Informatik, mündliche Wahlfachprüfung in Grafik oder Datenbanksysteme).
Der Bereich Informatik im Sport macht weitere 25% aus (2 schriftliche Fachprüfungen; Wahlfächer: EDV im Sportverein, EDV im Sportverband, Trainings-/ Wettkampforganisation oder Meßwertaufnahme und -verarbeitung)
Der Bereich Sportwissenschaft hat ebenfalls einen Anteil von 25% an der Diplom-Note (2 mündliche und schriftliche Fachprüfungen; Wahlfächer: Sportpsychologie, Sportsoziologie, Trainigslehre oder Bewegungslehre/ Biomechanik).
3.1.5 Bisherige Erfahrungen
Der Studiengang ist seit dem Wintersemester 1993/94 eingerichtet, so daß im Herbst 1997 die ersten Diplomprüfungen stattfinden werden. Da noch keine Studierenden den Studiengang mit dem Diplom abgeschlossen haben, können hier lediglich erste Erfahrungen berichtet werden:

Pro Wintersemester beginnen ca. 10 bis 15 Studierende das Studium. Die aktuellen Immatrikulationen zeigen eine ansteigende Tendenz.
Das Angebot von Praktikumsplätzen zeigt, daß für Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Informatik auf jeden Fall ein Arbeitsmarkt vorhanden ist. Von verschiedenen Seiten (z.B. Großvereine, LSB, ADH, Mercedes-Betriebssport) wurden Anfragen bzw. Angebote für Praktikumsplätze an Interessierte gerichtet.
Es bleibt abzuwarten, ob sich diese positiven Tendenzen, die auch durch die Arbeitskreis-Teilnehmer gewürdigt wurden, letztlich in einer gesicherten beruflichen Zukunft der Absolventen niederschlagen können.

3.1.6 Sammlung von inhaltlichen Komponenten informatischer Kompetenz
Zunächst wurde das Problem der kurzfristigen Realisierbarkeit diskutiert. Hier bieten die Studienordnungen nur eingeschränkte Möglichkeiten, informatische Ausbildungsinhalten zu verankern:

Diplom-Rahmenordnung: 4 SWS fächerübergreifende Veranstaltungen
Lehramt-Studienordnungen: 4 bis 6 SWS für Vertiefende Studien bzw. Projekte
Weitere Möglichkeiten ergeben sich durch Integration informatischer Inhalte in andere Theorie-Veranstaltungen, z.B. Sportspiel-Theorie, Biomechanik etc.
Als grundlegende inhaltliche Komponenten informatischer Kompetenz wurden genannt:

Grundkenntnisse über Hard- und Software-Werkzeuge (Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Grafik, Präsentation, Datenbanken, Entwicklungsumgebungen, Programmiersprachen und -techniken i.w.S.)
Umgang mit "Medien" (verstanden als Hilfsmittel der Informationsvermittlung): Computer-Medien-Koppelung, Präsentation, Software-Ergonomie
Problemanalyse, Modellbildung, Datenstrukturen
Modelle, Konzepte und Methoden
In der Diskussion wurde immer wieder deutlich, daß es kaum möglich ist, die Inhalte von der Vermittlungsmethode zu trennen. Unter diesem Aspekt wurden v.a. die folgenden Vermittlungsmethoden favorisiert: Problem- bzw. projektorientiertes Vorgehen, z.B. "Vom Referat zum Buch" oder "Von der Idee zur Präsentation".

Als eine extreme Herausforderung muß sicherlich die Heterogenität der Voraussetzungen gesehen werden. Hier scheint das Lernen in heterogen zusammengesetzten Gruppen vorteilhaft zu sein, weil sich - so zeigen die berichteten praktischen Erfahrungen - auf diese Weise die Wissensunterschiede sehr schnell ausgleichen.

3.2 Zuordnung von Inhalten, Kompetenzstufen und Tätigkeitsbereichen
Dieser Bereich soll in der nächsten Sitzung behandelt werden. Dabei wird sicherlich auch die Sammlung inhaltlicher Komponenten erweitert und an die spezifischen Tätigkeitsprofile in den verschiedenen Sportbereichen angepaßt werden müssen.

4 Termin für die nächste Sitzung
Als Termin für die nächste Sitzung wird Mittwoch, 10. September 1997 um 15 Uhr festgelegt. Treffpunkt ist wiederum die Trainerakademie Köln.

Diplomstudiengang Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Informatik

Studienplan (informatische Inhalte - Gesamtanteil 38.3 %)

Phase Gebiet Lehrveranstaltungen



Grundstudium Übergreifende Informatik I/II für ET Mathematik I/II für ET

(Informatik- Veranstaltungen (8 SWS) (12 SWS)

anteil 8 von (20 SWS)



96 SWS Grundpraktikum

= 8.3 %) (4 Wochen à 20h)



Hauptstudium Informatik Einf. in die Datenbank-sys Grafische Betriebs- Informations- Informations-/

(Informatikant (24 SWS) Informatik teme DV systeme systeme Datenschutzrech

eil 54 von III (5 SWS) (4 SWS) (4 SWS) (2 SWS) t (2 SWS)

(7 SWS)



66 SWS EDV im Sport Standard-softw Grafik/ Meßwert- Trainings-/ EDV im EDV im Didaktik

= 81.8 %) (16 SWS) are Animation aufn. u. wettkampforg. Sportverein I Sportverband I der EDV

(4 SWS) (2 SWS) -verarb. I I (2 SWS) (2 SWS) (2 SWS)

(2 SWS) (2 SWS)



Vertiefende Literaturverwaltung / Meßwert-aufn Trainings-/ EDV im EDV im

Veranstaltungen -recherche / . u. wettkampforg. Sportverein Sportverband II

(10 SWS) -dokumentation -verarb.II II II (2 SWS)

(2 SWS) (2 SWS) (2 SWS) (2 SWS)



Projekt (4 SWS)



DV-orientiertes

Praktikum

(8 Wochen à 20h)





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