| Arbeitskreis "Ausbildung" der dvs-Sektion "Sportinformatik" | |||
| 1. (konstituierende) Sitzung Mittwoch, 13. November 1996 14 - 17 Uhr in Köln Diskussionsergebnisse Anwesende Mitglieder: Volker Gross, Rolf M. Kilzer, Prof. Dr. Jürgen Perl, Prof. Dr. Stephan Starischka, Prof. Dr. Josef Wiemeyer (entschuldigt: Klaus Bonadt) 1 Einführung Für informatische Kompetenz besteht im Sport ein großer Bedarf. Diese zeigte z.B. eine Umfrage zum EDV-Bedarf bundesdeutscher sportwissenschaftlicher Institute in Forschung, Ausbildung und Entwicklung, deren Rücklaufquote allerdings mit 53.5% (40 von 76 angeschriebenen Instituten - ohne DSHS Köln; mit DSHS Köln: 56 von 92 Instituten, d.h. 60.9%) hinter den Erwartungen zurückblieb. Erste Ergebnisse zeigen die folgende Bedarfslage für Ausbildung und Forschung: Im Bereich der Ausbildung liegt der Bedarf primär in den Bereichen Interaktives Video (21 von 56 Instituten, davon 10 Institute in allen drei Untergebieten), Datenbanken (24 Institute) und Organisation/ Verwaltung (19 Institute). Im Bereich der Forschung liegt der Bedarf ebenfalls primär in den Bereichen Datenbanken (24 Institute), Organisation (21 Institute) und Interaktives Video (18 Institute) Im Bezug auf eigene Entwicklungen in den Bereichen Hardware, Software und Theorie ist der Bedarf deutlich geringer und nur vereinzelt gegeben. Es ergibt sich das folgende Bild: Im Bereich Theorie wird lediglich bei den Expertensystemen (1 Institut) ein Bedarf artikuliert. Im Bereich Hardware wird ein relativ geringer Bedarf artikuliert, der sich verteilt auf die Bereiche Datenbanken, Expertensysteme, Multimedia, Datenerfassung und Biomechanik (jeweils 1 Institut). Der Bereich Software macht den Hauptbedarf aus, hier besonders die Gebiete Biomechanik (5 Institute), Datenerfassung (3 Institute), Künstliche Intelligenz (2 Institute) und Multimedia (4 Institute). Dabei artikulierten 42 der 56 sportwissenschaftlichen Institute (75.0%) in mindestens einem Gebiet einen Erstbedarf (Bedarf in einem Gebiet, in dem momentan kein Computereinsatz stattfindet), während 26 Institute (46.4%) einen Zusatzbedarf (Bedarf in einem Gebiet, in dem bereits Computer eingesetzt werden) äußern. Als Hauptproblem für die Erweiterung des Computereinsatzes wird Geld genannt (80.4% der Institute), gefolgt von qualifiziertem Personal (64.3%; Mehrfachantworten waren möglich). Ein zweiter wesentlicher Aspekt ist die Situation der Informatik der universitären Lehre. Eine Analyse der im Zeitraum zwischen dem Wintersemester 1990/91 und dem Sommersemester 1996 an bundesdeutschen Sport-Instituten angebotenen informatischen Lehrveranstaltungen (s. Tabelle 1) zeigt die folgenden Tendenzen: Semester Anzahl der anbietenden Institute Anzahl der Informatik- Veranstaltungen Veranstaltungsform Ü, S/Ü, V/Ü, P S, PS, V/S V Unbekannt 1990/91 14 (21,9%) 17* 9 (52,9%) 1 (5,9%) 2 (11,8%) 5 (29,4%) 1991 13 (21,7%) 13* 6 (46,2%) 2 (15,3%) 2 (15,3%) 3 (23,2%) 1991/92 15 (24,2%) 17* 9 (52,9%) 3 (17,6%) 1 (6,0%) 4 (23,5%) 1992 14 (23,3%) 19* 12 (63,2%) 3 (15,8%) 2 (10,5%) 2 (10,5%) 1992/93 15 (25,0%) 22* 15 (68,2%) 3 (13,6%) - 4 (18,2%) 1993 17 (28,3%) 32* 17 (53,1%) 10 (37,3%) 3 (9,4%) 2 (6,2%) 1993/94 13 (20,6%) 20* (27) 11 (40,7%) 7 (25,9%) 4 (14,9%) 5 (18,5%) 1994 16 (25,0%) 22* (31) 15 (48,4%) 10 (32,3%) 2 (6,4%) 4 (12,9%) 1994/95 10 (15,4%) 14* (22) 8 (36,4%) 5 (22,7%) 2 (9,1%) 7 (31,8%) 1995 12 (18,5%) 18* (23) 7 (30,4%) 10 (43,5%) 3 (13,0%) 3 (13,0%) 1995/96 13 (20,3%) 23* (30) 15 (50,0%) 12 (40,0%) 2 (6,7%) 1 (3,3%) 1996 13 (20,0%) 24* (31) 14 (45,2%) 15 (48,4%) - 2 (6,4%) * ohne DSHS Köln; () mit DSHS Köln Tab.1: Lehrveranstaltungen zur Informatik bzw. EDV an sportwissenschaftlichen Instituten der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum zwischen dem Wintersemester 1990/91 und dem Sommersemester 1996 (Quelle: Angaben des DSLV) Insgesamt bieten ungefähr 20% der Institute informatische Lehrveranstaltungen an. Nach einer Quote von über 20% in den Jahren 1990 bis 1994 ist die Tendenz leicht rückläufig. Unter den Veranstaltungsformen sind - besonders zwischen 1990 und 1994 - primär Veranstaltungen mit praktischem Anteil (Übungen) zu finden. Allerdings ist diese Zahl leicht rückläufig zugunsten von Veranstaltungen mit Seminar-Charakter. Die absolute Anzahl der angebotenen Lehrveranstaltungen weist in den Semestern 1994/95 und 1995 einen deutlichen "Einbruch" auf: Vor und nach diesem Zeitraum lag die Zahl bei 20 und höher. Das Verhältnis zwischen eindeutig anwendungsorientierten und grundlagenorientierten Lehrveranstaltungen beträgt ungefähr 5:1. Häufige Anwendungsfelder sind Statistik, Textverarbeitung, Betriebssysteme, Datenbanken, Grafik, Literaturdokumentation, höhere Programmiersprachen, spezifische Anwendungsfelder (z.B. Verein, Verband, Training, Wettkampf, Management) und spezifische Anwendungsprobleme (z.B. Bewegungsanalyse, interaktive CD, Video-Digitalisierung). 2 Funktion, Arbeitsweise und Selbstverständnis des Arbeitskreises Die folgenden Fragen wurden diskutiert: Personelle Zusammensetzung des Arbeitskreises: Die folgenden Personen sollten den Arbeitskreis vervollständigen, um alle für die Ausbildung in Sportinformatik relevanten Tätigkeitsfelder zu repräsentieren: Udo Ziert (Hannover), Prof. Dr. Ulrike Rockmann (Oldenburg); (evtl. die Gruppe um Prof. Dr. Hagedorn) Die Kontaktaufnahme mit Herrn Ziert und Frau Prof. Rockmann ist inzwischen erfolgt, und die beiden Personen haben ihre Bereitschaft zur Mitarbeit artikuliert. Selbstverständnis des Arbeitskreises: Es bestand die einhellige Meinung, daß der Arbeitskreis normativ wirksam sein sollte. Ziel sollte es sein, Bewußtsein für die Notwendigkeiten einer Informatik-Aus- und Weiterbildung in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern bzw. Zielgruppen zu schaffen und Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung zu begründen, zu konzipieren und umzusetzen. Bei der Entwicklung entsprechender Aus- und Weiterbildungskonzeptionen sollte auch die Heterogenität der Zielgruppen berücksichtigt werden. Als mögliche Arbeitsformen kommen zentrale Treffen der gesamten Arbeitsgruppe und evtl. kleinere themenbezogene Gruppen in Betracht. In welchem Turnus wollen wir uns treffen? Der Vorschlag, sich zweimal im Jahr zu treffen, fand allgemeine Zustimmung. Zur Dokumentation der Arbeitsergebnisse: Die Ergebnisse des Arbeitskreises können und sollten - je nach Art und Zielgruppe - in verschiedenen Organen dokumentiert werden, z.B. dvs-Organe (dvs-info), KSH-Organe, Organ der Trainerakademie, einschlägige Zeitschriften (z.B. Leistungssport, Sportpädagogik, Sportunterricht) oder Organe der Sportverbände. 3 Was wollen wir unter "informatischer Kompetenz" verstehen und wie können wir sie differenzieren? Ausgehend von dem Vorschlag, zwischen allgemein-informatischer und angewandt-informatischer Kompetenz (gesamte Informatik vs. praktischer Einsatz der EDV) zu differenzieren, wurde das folgende Konzept erarbeitet: Drei Kompetenzstufen sollten unterschieden werden, die auf einem Kontinuum zwischen Grundlagen- und Anwendungsorientierung lokalisiert sind: Stufe I: Sportinformatische Basiskompetenz (praktische Kompetenz: Fähigkeit zur Datenbehandlung) Stufe II: Theoretische Grundlagen Stufe III: Spezialwissen Ausgehend von dieser Einteilung wird ein Matrixmodell favorisiert, in das die jeweilige Kompetenzstufe eingetragen werden kann (s. Tabelle 2). Tätigkeitsfeld Gebiet der Sportinformatik Hardware Datenbank Datenaufnahme ... Trainer Stufe I Stufe II Stufe I Sportlehrer Stufe I Sportwissenschaftler Stufe II o. III Tab. 2: Matrixmodell zur Differenzierung und Einordnung tätigkeitsspezifischer Informatik-Kompetenz (Fiktive Einträge) Was sicherlich nicht erforderlich ist, ist praktisches Programmieren. Diese Fertigkeit kann schnell erworben werden. Wichtig ist vielmehr die problemorientierte Auswahl adäquater Tools. 4 Offene Fragen Eine Reihe von Problemen und Fragen wurde lediglich andiskutiert, ohne vertieft zu werden: Wann und wie sollte der erste Kontakt zur Informatik stattfinden? Hier wurde insbesondere die Schule angeführt. Als mögliche Form wurde (fächerübergreifender) Projekt-Unterricht genannt. Hier könnte z.B. überlegt werden, eine Veranstaltung "Computer-Einsatz im Sport (Sek. II)" zu konzipieren. Welche Inhalte sollten vermittelt werden? Dieser Aspekt setzt eine differenzierte Analyse des Anforderungsprofils der jeweiligen Tätigkeitsfelder im Sport voraus. Als grundlegende Inhalte wurden Datenbanken, Video, Modellbildung, Simulation, Grundkonzepte des Software-Engineering und Fachberatung (Produkt-Informationen, problemorientierter Austausch) genannt. Diese Frage soll in einer der nächsten Sitzungen diskutiert werden. Welche Vermittlungsformen sollten eingesetzt werden? Bei der Vermittlung informatischer Kompetenz müssen didaktisch-methodische Überlegungen berücksichtigt werden, z.B. das Einüben von Kompetenzen auf der Grundlage spezieller Szenarien. Auch dieser Punkt soll in einer der nächsten Sitzungen diskutiert werden. Welche Forderungen sollten an Hard- und Software-Voraussetzungen für eine angemessene Vermittlung informatischer Kompetenzen gestellt werden? 5 Nächstes Treffen Als nächster Termin wird der Donnerstag, der 10. April 1997 um 15 Uhr Institut für Sportwissenschaft, TH Darmstadt Magdalenenstr. 27, D-64289 Darmstadt (Lageplan: s. Internet http://www.th-darmstadt.de/fb/fb3/sport/allgemei/lageplan.htm) festgelegt. zurück |
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